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In diesem Kurs kann ich mich einfach nur Wohl fühlen. Es fängt schon Montag morgen an. Durch den ersten richtigen Schnee dieses Jahres kämpfe ich mich in das Bahnhofsgebäude meiner großen Kleinstadt & treffe auf die ersten Mitstreiterinnen. Herzliches Hallo, gute Laune macht sich breit und ich stürze in einen Strudel der guten Laune, welcher mich bis Freitag-Mittag nicht mehr loslassen wird. Die fahrt nach Ulm vertreiben wir uns-Web n Walk sei dank- damit, uns das Kloster anzuschauen, in dem wir eine Woche lang hausen werden. In Ulm ist die Bagage fast komplett, sofort beginnen einige "seven nation army" anzustimmen, und
ich bin so glücklich, dass ich diesen eigentlich verabscheuenswürdigen neuen Trend direkt mitmache. Der ganze wild durcheinander brabbelnde Haufen fällt in den letzten Zug zu dem Bahnhof, von dem wir dann abgeholt und ins Kloster gebracht werden. Man glaubt gar nicht wie viel Insider sich in einer vorangegangenen, mittlerweile einen Monat zurückliegenden Woche angesammelt haben, aber jetzt ist die Zeit sie ALLE wieder auszugraben. Irgendwann purzelt
dann der immer noch fröhlich schwatzende Haufen wieder aus dem Zug und ein allgemeines "wo sind wir hier?" macht sich breit.
Im Kloster dann die letzten noch nicht gesehenen Gesichter begrüßen. Die beiden Neuen sind schon nach zwei Minuten keine neuen mehr, es braucht zehn bis ich meinen ersten versauten Witz erzähle und spätestens nach einem Tag findet niemand mehr das Kloster und die allgegenwärtige Kaffheit zum kotzen, sondern irgendwie sogar richtig genial. Wir diskutieren, lernen, spielen, tanzen, schreien und hasten fünf Tage lang und die Zeit vergeht wie im Flug. Ich fühle mich als Teil des ganzen. Irgendwie sind diese 26 anderen die art von Klasse, die ich nie wirklich hatte. Die die wenigsten je hatten. Ganz verhalten lassen sogar die Teamer durchblicken, dass sie mehr als zufrieden sind, mit der Gruppe. Und überhaupt: der andere Kurs, immerhin 30 Mädchen, versteht sich besser
mit uns als der letzte, öhöm. "Häupling Glasauge" wird zum Begriff für Menschen, die nicht disskussionsfähig sind, ich habe diesen Begriff in einer gewissen weise mitgeprägt bzw war dabei als diese real existierende Person uns ihre fehlenden pädagogischen Fähigkeiten präsentierte, weswegen ich es auch nicht ganz so witzig wie alle anderen finde, das sie ständig vor meinem geistigen Auge auftaucht. In den Mittagspausen und Abends immer so ab ein Uhr wird
meistens ein Film geschaut- externer Festplatte sei Danke. Vollidiot, Room 1408, Basic Instinct, Roadtrip & Deep Blue Sea, heureka! Die Schneeballschlacht verschlafe ich dann aber grandios, irgendwann braucht auch der Meister mal schlaf.
Der letzte Abend wird noch mal der Rausschmeisser. Wir spielen, trinken, tanzen und rauchen mit dem anderen Kurs und ich bin in einer Stimmung, die mich sogar zu "Safri Duo" tanzen lässt. Mein Teamer bietet mir ernsthaft Hilfe für mein Outing an [sic!] und um vier scheisst der letzte harte gemischgeschlechtliche Rest auf ein paar Klosterregeln, schiebt ein paar Betten zusammen und pennt wenigstens 30minuten bei einer schlechten amerikanischen Teeniekomödie [Titel steht oben].

Die Rückfahrt gestaltet sich als nicht ganz so lebhaft wie die hinfahrt. Im gegenteil. Müde und ausgelaugt sitzen alle in ihren sitzen, zählen die letzten gemeinsamen Minuten zusammen. Wir sind uns nicht so ganz klar wie es das jetzt schon gewesen sein kann, welcher Idiot eigentlich unseren nächsten Kurs auf April gelegt hat. Nach und nach kommen wir zu dem Entschluss, das schöne Dinge meistens zu früh, im Nachinein dann aber genau richtig aufhören. Schließlich soll man sich ja auch schön auf das nächste mal freuen. Was ich jetzt gebührend tue.
1.12.08 19:25


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