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2008



...war... hm. Doch, schön.
Ich hatte Prüfungsangst, ich wollte zeitweise nicht mehr aufstehen und zur Schule gehen. Ich hatte eine schwer kranke Freundin, für deren Krankheit es lange Zeit keine Erklärung gab, welche ich über Monate hinweg täglich zum Leben motivieren musste. Ich habe Freundschaften geschlossen, die mittlerweile wieder beendet sind, habe mich geweigert, bereits beendete Freundschaften mehr als nur ein ganz kleines bisschen wiederzubeleben. Ich habe endgültig mit meinem Vater abgeschlossen. Ich lag manchmal die halbe Nacht lang wacht, weil ich nicht wusste, wie es mit mir weitergehen sollte. Oder mit uns. Ich bin sehr früh am Morgen aus einem Club geflogen und bis acht Uhr morgens mit einem T-Shirt bekleidet im Stuttgarter Schloßpark auf die erste Bahn warten. Ich wurde beim Stadtfest verprügelt, einfach nur weil ich die Frechheit hatte zu lachen. Ich wurde von kleinen Jungs verprügelt, weil ich jemandem nicht sagen wollte/konnte, warum der Busfahrer die Türe nicht öffnet. Wie oft ich beleidigt oder diskriminiert wurde konnte ich irgendwann nicht mehr zählen. Ich musste ein dreivierteljahr jedesmal, wenn ich ins Internet wollte, jemanden fragen. Ich denke auch nicht an Ostern. Ich kam von einer Party und musste morgens um ein Uhr 5km bei spontan einsetzendem Schneefall in löchrigen Chuks bewältigen.


Das alles hat 2008 zwar auch ausgemacht, doch im ersten Moment denke ich nicht daran. Ich denke viel eher an das Reggea Konzert im Februar, an die Geburtstagsüberaschung und den endlos schönen Sternenhimmel, um drei von unzähligen schönen Momenten mit meiner Freundin zu nennen. Ich denke daran, wie ich dem Sänger von Alesana ins Gesicht getreten habe, beim Versuch zu stagediven. Ich denke an die wildfremden Jungs, in deren Armen ich "Manchmal haben Frauen" gegrölt habe- zehn Meter von Bela B. entfernt. Ich denke an spontan Blond gefärbte Haare, an meine gedehnten Ohrlöcher, an "Free Hugs" auf der Königsstraße, an Geburtstags-/Hauspartys und legendäre Clubabende. An Piercingaktionen, Fahrstunden, das Besäufnis nach meinem Abschluss, an den besten Nebensitzer jemals. Ich denke an das wundervolle Christival, an super Gemeinschaften auf den FSJ-Kursen, an meine tolle Arbeitsstelle, an meine Lieblingsmongos. Ich denke an eine Tante, die gar nicht meine ist, was aber niemanden Interessiert. Ich denke an die Menschen dort, die sich jedesmal ehrlich freuen mich zu sehen. Ich denke an Rock Am See, an Iggy Pop und die Unterhaltsame Rückfahrt feat. Böblinger Punks. Ich denke grinsend daran, wie wir vor Jennifer Rostock geflohen sind, Barfus nach Hause liefen und mitten in der Nacht geduscht haben. An die schwulen, auf dem Weg zum CSD. An die Straßenkinder im Park. An das erste mal zu zweit Duschen. Das erste mal Barfus in eine Pfütze springen.


Vor allem aber denke ich an die Menschen, von 2008.
Alte Freunde, neue Freunde, wieder Freunde. Hinzugezogene Freunde. Oder einfach nur nette Menschen. Menschen, die mich Tag für Tag ertragen müssen. Menschen mit denen man durch die Nacht tanzen kann, die einem um zwei Uhr noch einen Schlafplatz organisieren, die man ein dreivierteljahr nicht sehen kann, aber dafür umso stürmischer Begrüßt. Menschen, die man eigentlich überhaupt nicht kennt, deren Leben mich aber auf irgend eine Art und Weise unheimlich Fasziniert. Menschen die eigentlich neben mir wohnen, die ich aber durchs Internet kennen lerne. Menschen die Grillen, obwohl es anfängt zu schneien. An Menschen die ich brauche, und an Menschen die mich brauchen.#
Sie haben 2008 zu dem Gemacht, was 2008 nunmal war.
Mal sehen was 2009 kommt. Bin ja quasi schon mittendrin.



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n e u n z e h n!
2.1.09 18:04


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